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Umsetzung der Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodexes

Im Jahr 2011 hat die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) auf eine Überarbeitung des DCGK verzichtet, sodass unverändert die Fassung vom 26. Mai 2010 Gültigkeit hat. Bereits im Vorjahr hatte die comdirect bank erklärt, entsprechend der Kodex-Empfehlungen des DCGK bei der Besetzung von Aufsichtsrats-, Vorstands- sowie Führungsfunktionen im Unternehmen auf Vielfalt (Diversity) zu achten und dabei insbesondere eine angemessene Beteiligung von Frauen anzustreben.

Im ersten Halbjahr 2011 startete ein Projekt mit dem Ziel, den Anteil von Frauen in Führungspositionen der comdirect Gruppe zu steigern. Unter anderem fördern wir Frauen durch Kooperationen mit Frauennetzwerken der Hochschulen, Diversity Trainings und Mentoring-Programme. Zum Jahresende 2011 lag der Anteil an weiblichen Führungskräften bei über 20 %; bei den Nachwuchsprogrammen für Fach- und Führungskräfte wurde ein Anteil von 30 % erreicht. Aufgrund der bereits hohen Werte, die deutlich über dem Durchschnitt deutscher Unternehmen liegen, haben wir uns entschieden, keine feste Frauenquote einzuführen. Gleichwohl werden die Ziffern 4.1.5 (Diversity bei der Besetzung von Führungspositionen durch den Vorstand) und 5.1.2 (Diversity bei der Zusammensetzung des Vorstands durch den Aufsichtsrat) weiterhin vollumfänglich umgesetzt.

Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung im August 2011 das Anforderungsprofil für seine Mitglieder einschließlich einer Zielsetzung für die Zusammensetzung des Gremiums überarbeitet. Wörtlich heißt es: „Ziel ist es, den Aufsichtsrat so zu besetzen, dass eine qualifizierte Kontrolle und Beratung der Geschäftsführung der Bank durch den Aufsichtsrat sichergestellt ist. Dabei kann nicht erwartet werden, dass jedes einzelne Aufsichtsratsmitglied alle erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen in vollem Umfang hat. Allerdings soll für jeden Aspekt der Aufsichtsratstätigkeit mindestens ein Aufsichtsratsmitglied als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sodass die umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen durch die Gesamtheit der Aufsichtsratsmitglieder abgebildet werden. Daneben sind aber von jedem Aufsichtsratsmitglied bestimmte unverzichtbare allgemeine Kenntnisse und Erfahrungen zu verlangen. Unter Wahrung der vom Aufsichtsrat festgelegten Regelaltersgrenze von 72 Jahren sollen Kandidaten vorgeschlagen werden, die durch ihre Integrität, Leistungsbereitschaft, Unabhängigkeit und Persönlichkeit in der Lage sind, die Aufgaben eines Aufsichtsratsmitglieds in einer modernen Privatkundenbank wahrzunehmen und das Ansehen der comdirect bank in der Öffentlichkeit zu wahren und zu mehren. Bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrats ist auf Vielfalt (diversity) zu achten; anteilseignerseitig soll mindestens eine Frau im Aufsichtsrat vertreten sein.“ Aufgrund des nunmehr enthaltenen quantitativen Ziels für die Beteiligung von Frauen im Aufsichtsrat setzt die comdirect bank Ziffer 5.4.1 Satz 3 des DCGK vollumfänglich um. Die aktuelle Aufsichtsratsbesetzung entspricht der Zielsetzung.

Eine neue Abweichung von den Empfehlungen des DCGK erwächst hingegen aus der im Berichtsjahr vorgenommenen Anpassung des Vergütungssystems für den Vorstand in Umsetzung der Instituts-Vergütungsverordnung (InstitutsVergV). Deren Regelungen kollidieren mit der Empfehlung des DCGK in Ziffer 4.2.3, wonach bei variablen Vergütungsbestandteilen von Vorstandsmitgliedern eine nachträgliche Änderung der Erfolgsziele oder der Vergleichsparameter ausgeschlossen sein soll; eine Abweichung vom DCGK ist daher unvermeidbar.

Die zweite Abweichung betrifft, wie im Vorjahr, Ziffer 5.3.3 des Kodexes. Gemäß dieser Empfehlung soll der Aufsichtsrat einen Nominierungsausschuss bilden, der ausschließlich mit Vertretern der Anteilseigner besetzt ist und dem Aufsichtsrat für dessen Wahlvorschläge an die Hauptversammlung geeignete Kandidaten vorschlägt. Der Aufsichtsrat der comdirect bank besteht insgesamt aus sechs Mitgliedern, wovon vier Vertreter der Anteilseigner sind. Die Bildung eines zusätzlichen Ausschusses aus ihrer Mitte heraus stellt unseres Erachtens eine „Überstrukturierung“ des Gremiums dar. Darüber hinaus sind keine Gründe ersichtlich, weshalb das Aufsichtsratsplenum die von der Regierungskommission mit der Einführung von Nominierungsausschüssen intendierte Verbesserung der Transparenz des Auswahlverfahrens nicht aus sich selbst heraus bewirken könnte.