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Finanz- und Vermögenslage der comdirect Gruppe

Grundzüge von Finanzmanagement und Treasury

Das Treasury der comdirect bank trägt für eine stets angemessene Kassenhaltung Sorge und steuert das Liquiditätsrisiko (s. Liquiditätsrisiken). Über die Anlage der Kundeneinlagen am Geld- und Kapitalmarkt realisiert die comdirect Gruppe eine positive Zinsspanne. Dabei tätigt sie einen signifikanten Teil der Anlagen mit Unternehmen des Commerzbank Konzerns. Forderungen gegenüber der Commerzbank AG und ausgewählten weiteren Gesellschaften des Commerzbank Konzerns sowie die Wertpapiere dieser Unternehmen sind über einen Mantelzessionsvertrag umfassend besichert. Daneben werden fünf Spezialfonds geführt, die in den Abschluss der comdirect Gruppe einbezogen sind.

Im Berichtsjahr haben wir an unserer konservativen und risikobewussten Treasury-Strategie festgehalten. Wegen der relativ flach verlaufenden Zinsstrukturkurve und nach wie vor hoher Spread-Volatilitäten hat das comdirect Treasury dabei außerhalb des Commerzbank Konzerns ausschließlich Wertpapiere erstklassiger Emittenten mit kürzerer Zinsbindung erworben. Bei der Anlage kamen vorwiegend Schuldscheindarlehen und Termingelder zum Einsatz. Darüber hinaus umfasst das Treasury-Portfolio im Wesentlichen Schuldverschreibungen und Pfandbriefe.

Die comdirect Gruppe tätigt keine Eigenhandelsgeschäfte. Der Einsatz derivativer Finanzinstrumente beschränkt sich auf die Absicherung von Zinsänderungsrisiken aus Schuldverschreibungen und die Zinsbuchsteuerung des Treasury-Portfolios. Aufgrund der anziehenden Marktzinsen im ersten Halbjahr 2011 haben wir verstärkt Sicherungspositionen aufgebaut. Das Nominalvolumen dieser Sicherungsderivate belief sich zum Bilanzstichtag 2011 auf 123 Mio. Euro (Ende 2010: 20 Mio. Euro).

Zum Jahresende 2011 entfielen nur noch rund 70 Mio. Euro (Ende 2010: rund 390 Mio. Euro) auf Treasury-Positionen in den PIIGS-Staaten. Die im Berichtsjahr weiter verschärfte Staatsschuldenkrise im Euroraum führte teilweise zu deutlichen Marktwertschwankungen dieser Positionen. Verluste durch Zahlungsausfälle von Emittenten waren im Berichtszeitraum nicht zu verzeichnen. Die einzige im Portfolio enthaltene griechische Staatsanleihe wurde marktbedingt auf 28,2 % ihres Nominalvolumens von 2,3 Mio. Euro abgeschrieben. Weitere Impairments auf Fremdkapitalinstrumente waren nicht erforderlich.

Investitionen

In beiden Geschäftsfeldern hat die comdirect Gruppe mehr investiert als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen kletterte um 32,3 % auf 16,5 Mio. Euro (Vorjahr 12,4 Mio. Euro). Davon entfielen 12,2 Mio. Euro (Vorjahr 8,1 Mio. Euro) auf das Geschäftsfeld B2C und wie im Vorjahr 4,3 Mio. Euro auf das Geschäftsfeld B2B.

Investitionen
Investitionen nach Geschäftsfeldern

Die bilanziellen Zugänge bei immateriellen Anlagewerten in Höhe von 13,4 Mio. Euro (Vorjahr 9,0 Mio. Euro) gehen vor allem auf den Erwerb und die Erstellung von Software im Geschäftsfeld B2C zurück. Wichtige Projekte in diesem Zusammenhang waren die Implementierung der CFD-Plattform und der Limit-Funktionen im außerbörslichen Handel ebenso wie der Relaunch der comdirect Website. Insgesamt haben wir für den Erwerb von Software 7,2 Mio. Euro (Vorjahr 2,9 Mio. Euro) aufgewendet. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen auf immaterielle Anlagewerte errechnet sich ein Nettoinvestitionsvolumen von 0,7 Mio. Euro (Vorjahr –0,4 Mio. Euro).

Die Sachanlageinvestitionen in Höhe von 3,0 Mio. Euro (Vorjahr 3,4 Mio. Euro) beruhten zum einen auf neuen Netzwerk- und Serverkomponenten, zum anderen auf der Ausstattung der Arbeitsplätze mit leistungsfähigeren Rechnern. Die Nettoinvestitionen bei Sachanlagen betrugen –1,1 Mio. Euro (Vorjahr –1,4 Mio. Euro).

Wesentliche finanzielle Folgepflichten aus laufenden Investitionsprojekten für folgende Geschäftsjahre bestehen nicht.

Bilanzstruktur der comdirect Gruppe

Infolge des moderaten Anstiegs des Einlagevolumens hat sich die Konzernbilanz geringfügig auf 11,38 Mrd. Euro (Ende 2010: 11,04 Mrd. Euro) verlängert. 94,2 % der Bilanzsumme (Ende 2010: 93,9 %) entfielen auf Verbindlichkeiten gegenüber Kunden.

Struktur der Konzernbilanz – AKTIVA
Struktur der Konzernbilanz – PASSIVA

Vermögenswerte

Die Anlage der Kundengelder erfolgte zu einem noch größeren Teil als im Vorjahr über Schuldscheindarlehen. Das Volumen der Forderungen an Kreditinstitute, die im Wesentlichen auf Schuldscheindarlehen zurückgehen, legte gegenüber dem Jahresendstand 2010 (5,89 Mrd. Euro ) um 13,9 % auf 6,71 Mrd. Euro zu.

Das Volumen an Finanzanlagen verringerte sich um 17,3 % auf 3,86 Mrd. Euro (Ende 2010: 4,67 Mrd. Euro). Diese Bilanzposition umfasst Anleihen und Schuldverschreibungen mit variabler Verzinsung. Der Rückgang ist unter anderem auf den Abbau des PIIGS-Portfolios zurückzuführen. Darüber hinaus haben wir die Wiederanlage auslaufender Anleihen aufgrund der Marktsituation teilweise in Schuldscheindarlehen vorgenommen. Aktien spielten wie im Vorjahr keine wesentliche Rolle im Rahmen der Treasury-Strategie.

Struktur der Kundeneinlagen
Struktur der Forderungen und Finanzanlagen

Die Forderungen an Kunden gingen auf 224,7 Mio. Euro (Ende 2010: 235,9 Mio. Euro) zurück. Ursächlich hierfür war vor allem das geringere Volumen der Wertpapierkredite. Wegen der Kursrückgänge an den Aktienmärkten haben unsere Kunden vorsichtig agiert, wodurch sich die in Anspruch genommenen Kreditrahmen insgesamt verringerten. Die moderate Zunahme der Dispositionskredite auf Girokonten war vorrangig durch die höhere Kontenzahl bedingt (s. Geschäftsfeld B2C).

Die Barreserve summierte sich zum Bilanzstichtag 2011 auf 527,8 Mio. Euro und lag damit deutlich über dem Stand vor einem Jahr (185,0 Mio. Euro). Das durchschnittliche Mindestreserve-Soll der comdirect Gruppe belief sich zum Bilanzstichtag 2011 auf 197,2 Mio. Euro (Ende 2010: 190,3 Mio. Euro).

Die tatsächlichen Ertragsteueransprüche in Höhe von unverändert 4,1 Mio. Euro betrafen unter anderem Körperschaftsteuerguthaben aus Vorjahren. Der Rückgang der sonstigen Aktiva auf 5,9 Mio. Euro (Ende 2010: 7,2 Mio. Euro) liegt insbesondere in geringeren Forderungen aus der Vor-Ort-Beratung sowie dem Wertpapiergeschäft begründet.

Finanzierung

Die Finanzierungsseite der Bilanz beruht im Wesentlichen auf den Einlagen privater Kunden.

Der Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten auf 3,2 Mio. Euro (Ende 2010: 40,8 Mio. Euro) spiegelt den aktuellen Stand der laufenden Verrechnungskonten bei der Commerzbank wider.

Die zur Absicherung eingesetzten Zinsswaps wiesen zum Bilanzstichtag einen negativen Marktwert (Fair Value) in Höhe von 4,5 Mio. Euro (Ende 2010: 38 Tsd. Euro) auf.

Die Rückstellungen lagen mit 41,2 Mio. Euro um 6,4 % unter dem Vorjahreswert (44,0 Mio. Euro). Dies lag am Rückgang der sonstigen Rückstellungen von 29,6 Mio. Euro auf nunmehr 25,3 Mio. Euro. Wichtige Einflussfaktoren waren

  • der Verbrauch und die Auflösungen eines Teils der Rückstellungen für ertragsunabhängige Steuern aus Vorjahren,
  • der Verbrauch und die Auflösungen eines Teils der in 2009 gebildeten Restrukturierungsrückstellungen, deren Volumen damit auf 1,2 Mio. Euro (Ende 2010: 3,0 Mio. Euro) zurückging.

Zuführungen entfielen größtenteils auf variable Vergütungsbestandteile (s. Note (25)). Im Rahmen des Long Term Incentive Programms (LTIP) der comdirect Gruppe fand nach einer Wartezeit von drei Jahren eine Auszahlung statt. Aufgrund der Auszahlung nahm die Rückstellung für ausstehende Performance Shares auf 1,3 Mio. Euro (Ende 2010: 1,7 Mio. Euro) ab. Performance Shares wurden erstmals im Jahr 2005 und letztmalig im Jahr 2010 im Rahmen des Long Term Incentive Plan an Vorstandsmitglieder und ausgewählte Fach- und Führungskräfte ausgegeben.

Die Rückstellungen für Pensionen beliefen sich zum Bilanzstichtag auf 15,3 Mio. Euro (Ende 2010: 14,0 Mio. Euro). Den Pensionsverpflichtungen mit einem Barwert von 20,3 Mio. Euro (Vorjahr 19,2 Mio. Euro) stand ein Treuhandvermögen mit einem Marktwert von 3,8 Mio. Euro (Vorjahr 3,8 Mio. Euro) gegenüber, das beim Commerzbank Pension Trust e.V. verwaltet wird (s. Note (49)). Zusätzlich bestehen Rückstellungen für Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen in Höhe von 0,5 Mio. Euro (Vorjahr 0,4 Mio. Euro).

Die sonstigen Passiva in Höhe von 41,7 Mio. Euro (Vorjahr 53,8 Mio. Euro) basierten vorrangig auf Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Der deutliche Rückgang der latenten Ertragsteuerverpflichtungen auf 3,0 Mio. Euro (Ende 2010: 14,8 Mio. Euro) hat seine Ursache in der Kursentwicklung bei Finanzanlagen. Der größte Teil war erfolgsneutral. In der Position werden Ansprüche und Verpflichtungen saldiert ausgewiesen (s. Note (50)).

Das Eigenkapital betrug 547,3 Mio. Euro und übertraf damit den Wert zum Bilanzstichtag 2010 (514,2 Mio. Euro) um 6,4 %. Der deutlich höhere Konzerngewinn wurde dabei teilweise durch die Entwicklung der Neubewertungsrücklage kompensiert. Ihr Rückgang auf 11,3 Mio. Euro (Ende 2010: 30,7 Mio. Euro) war vor allem eine Folge ausgeweiteter Credit Spreads, die in geringeren Wertansätzen bei Wertpapieren der Kategorie „Available for Sale“ resultierten.

Kapitalflussrechnung der comdirect Gruppe

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit in Höhe von 418,6 Mio. Euro (Vorjahr –33,0 Mio. Euro) wurde wesentlich durch die Entwicklung der Kundeneinlagen und den Konzernüberschuss beeinflusst. Dem Mittelzufluss aus den höheren Kundeneinlagen steht ein Mittelabfluss in etwa derselben Größenordnung aus der Wiederanlage gegenüber.

Der Cashflow aus Investitionstätigkeit war mit –16,4 Mio. Euro (Vorjahr –6,9 Mio. Euro) negativ. Dies resultiert aus erforderlichen Investitionen zur Unterstützung des Wachstums.

Die Mittelabflüsse aus Finanzierungstätigkeit in Höhe von –59,3 Mio. Euro (Vorjahr –57,9 Mio. Euro) gehen auf die im Mai 2011 vorgenommene Ausschüttung einer Dividende von 0,42 Euro je Aktie zurück.

Zum Bilanzstichtag hielt die comdirect Gruppe eine Barreserve von 527,8 Mio. Euro (Ende 2010: 185,0 Mio. Euro). Sie entfällt fast vollständig auf Guthaben bei der Deutschen Bundesbank.

Einlagensicherung

Die comdirect bank AG und die ebase GmbH sind Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken e.V., über den jeder Kunde zum Bilanzstichtag 2011 bis zu einer Einlagenhöhe von 107,1 Mio. Euro (comdirect) beziehungsweise 5,2 Mio. Euro (ebase) abgesichert war. Daneben sind die Kundeneinlagen gesetzlich im Rahmen des Entschädigungsfonds deutscher Banken (EdB) abgesichert.