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Adressenausfallrisiken

Risikosteuerung, -quantifizierung und -reporting

Adressenausfallrisiken bestehen bei der comdirect Gruppe vorwiegend in Form von Kontrahenten- und Emittentenrisiken bei Handelsgeschäften. Daneben ist auch das Privatkundenkreditgeschäft mit Adressenausfallrisiken behaftet.

Als Marktbereich für die Kontrahenten- und Emittentenrisiken fungiert das Treasury, für die Privatkundenkredite der Kundenservice. Entsprechend den MaRisk sind weitere Aufgaben außerhalb der Marktbereiche wahrzunehmen. Die Aufgaben der Marktfolge für das Retailgeschäft und die Funktion des Risikocontrollings nimmt die Abteilung Risikomanagement wahr. Die Abwicklung der Handelsgeschäfte wird von der Abteilung Finanzen verantwortet.

Handelsgeschäfte im Treasury werden im Rahmen der vom Vorstand der comdirect bank AG genehmigten Limite sowie konzernweiter Richtlinien der Commerzbank durchgeführt. Diese Limite sind für die jeweiligen Kontrahenten und Emittenten und ebenso für die zugrunde liegenden Geschäfte definiert. Am Kapitalmarkt geht die comdirect bank direkte Positionen grundsätzlich nur im Investment-Grade-Bereich ein, das heißt mit einem externen Rating von BBB– (Standard & Poor’s) beziehungsweise Baa3 (Moody’s) oder besser. Bei der Beurteilung der Bonität orientiert sich die comdirect bank sowohl an den internen Ratings der Commerzbank AG – entsprechend dem AIRB-Ansatz – als auch an denen externer Rating-Agenturen.

Im Privatkundenkreditgeschäft des Geschäftsfelds B2C ist zwischen dem Wertpapierkredit und dem Dispositionskreditrahmen auf dem comdirect Girokonto zu unterscheiden. Wertpapierkredite sind durch verpfändete Wertpapiere besichert. Verlustpotenziale können entstehen, wenn der Kurswert der verpfändeten Wertpapiere infolge der allgemeinen Marktentwicklung oder der spezifischen Marktrisiken einzelner Wertpapiere sinkt und nicht mehr zur Besicherung der Forderungen an den Kunden ausreicht. Über die Kreditvergabe wird unter Einbeziehung von internen Scoring-Modellen entschieden.

Für die mit Dispositions- und Wertpapierkrediten verbundenen Adressenausfallrisiken unterhält die comdirect Gruppe ein Frühwarnsystem. Erforderliche Anpassungen oder Kündigungen von Kreditlinien werden unverzüglich durchgeführt.

Die Quantifizierung der Adressenausfallrisiken erfolgt durch die monatliche Berechnung des Credit-Value-at-Risk (CVaR) für die Handelsgeschäfte (ohne Intragruppenforderungen) und das Privatkundenkreditgeschäft. Die Methodik ist in Note (56) im Detail dargestellt.

Einzelwertberichtigungen werden für Kunden im signifikanten Kreditgeschäft getrennt nach Produktarten gebildet, sofern bei diesen Kunden ein Basel II-Ausfallkriterium vorliegt.

Portfoliowertberichtigungen bilden wir für alle weiteren Kunden mit Inanspruchnahme und/oder bestehenden Kreditlinien. Ausschlaggebend für die jeweilige Höhe der Wertberichtigung sind

  • die Höhe der Inanspruchnahmen sowie offenen Linien unter Berücksichtigung von Konversionsfaktoren,
  • die Höhe der prognostizierten Ausfallwahrscheinlichkeit,
  • die Berücksichtigung von Sicherheiten und der Wiedereinbringungsquote.

Gekündigte Forderungen, die wir zur Beitreibung an Inkassounternehmen abgeben, werden in Höhe des eingetretenen Verlusts abgeschrieben.

Aktuelle Risikosituation

Der Anstieg des Gesamt-CVaR auf 61,1 Mio. Euro (Vorjahr 33,6 Mio. Euro) geht vor allem auf Methodenänderungen zurück. Das durchschnittliche Rating des Commerzbank-konzernexternen Treasury-Portfolios lag bei Aa3 nach A2 im Vorjahr (Moody’s). Rund 95 % des Portfolios befanden sich, gemessen an externen Ratings, im Investment-Grade-Bereich.

Ende 2011 waren 10 % (Vorjahr 26 %) des Bankbuch-Portfolios kurzfristig am Geldmarkt angelegt. Infolgedessen erhöhte sich der Anteil der Kapitalmarktanlagen, wobei der Anlageschwerpunkt wie im Vorjahr auf Schuldscheindarlehen lag. Von den Kapitalmarktanlagen entfielen 0,42 Mrd. Euro (Vorjahr 0,47 Mrd. Euro) auf fünf Spezialfonds, die fast ausschließlich in Rentenpapieren investiert waren (s. Note (70)).

Wie im Vorjahr entfielen mehr als 90 % des Portfolios auf deutsche Adressen, der Rest überwiegend auf das europäische Ausland mit einem Schwerpunkt auf unbelastete Länder des Euroraums.

Im Privatkundenkreditgeschäft des Geschäftsfelds B2C hat sich die durchschnittliche Gesamtinanspruchnahme der Wertpapierkredite gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich verändert. Der eingeräumte Kreditrahmen bei Wertpapierkrediten ging gegenüber dem Jahresendstand 2010 (2,63 Mrd. Euro) leicht auf 2,59 Mrd. Euro zurück. Die mögliche Kreditinanspruchnahme ist allerdings durch den spezifischen Beleihungswert der jeweiligen Wertpapierportfolios beschränkt. Infolge der Kursverluste an den Aktienmärkten hat sich dieser im Jahresverlauf von 870 Mio. Euro auf 766 Mio. Euro reduziert. Aktien stellten nahezu drei Viertel des Sicherheitenportfolios. Vor allem wegen der scharfen Kurskorrektur im dritten Quartal lagen Anzahl und Volumen der Überziehungen im Durchschnitt des Geschäftsjahres über dem Vergleichswert 2010. Aus diesem Grund mussten deutlich mehr Mahnverfahren eingeleitet werden, wobei sich die Situation jedoch im vierten Quartal wieder normalisiert hat. Im Berichtsjahresdurchschnitt wurden die in der Bank ausgereichten Wertpapierkreditrahmen unter Berücksichtigung der Beleihungswerte zu 19,5 % (Vorjahr 19,4 %) ausgenutzt; zum Jahresultimo betrug das Wertpapierkreditvolumen 150 Mio. Euro (Vorjahr 164 Mio. Euro).

Die mit dem Girokonto-Wachstum einhergehende höhere Zahl der mit einem Kreditrahmen ausgestatteten Girokonten führte auch zu einer stärkeren Inanspruchnahme von Dispositionskrediten als im Vorjahr. Das Volumen stieg im Jahresverlauf von 27,3 Mio. Euro auf 31,2 Mio. Euro zum Bilanzstichtag 2011 an; dies entsprach 5,5 % des zur Verfügung gestellten Dispositionskreditrahmens von 565 Mio. Euro (Ende 2010: 516 Mio. Euro). Die Zahl der Überziehungen lag im Jahresdurchschnitt über dem Vorjahr, blieb doch im Verhältnis zur Kontenzahl nahezu stabil.

Das gesamte Forderungsvolumen im Privatkundenkreditgeschäft lag zum Jahresende 2011 bei 188,7 Mio. Euro und war damit etwas niedriger als im Vorjahr (197,9 Mio. Euro). Einzelwertberichtigungen waren erneut nicht zu bilden. Die Portfoliowertberichtigungen beliefen sich im Berichtszeitraum auf 1,9 Mio. Euro. Zuführungen in Höhe von 1,4 Mio. Euro standen Auflösungen von 1,0 Mio. Euro und Verbräuchen von 0,2 Mio. Euro gegenüber. Der Risikovorsorgebestand nahm damit leicht von 1,7 Mio. Euro auf 1,9 Mio. Euro zu (s. Note (28) sowie Note (39)).